Andreas Heck

Andreas Heck

Selbständiger Webdesigner

Scheiß Asylanten! Scheiß Flüchtlinge! Scheiß Kanaken!

An all‘ meine Niggas, Kanaken, Malagas, Polaken
Meine Mullahs, Mafiosi und Franzaken
An meine Paellas, PKK’s, Schlitzaugen, Hakennasen
Kameltreiber, Ziegenhirten, Knoblauchfresser, Paprikas
Meine Terroristen, Kriminelle, Drogendealer
Parasiten, Asylbetrüger, Hütchenspieler
Blutsauger, Taugenichtse, Tagelöhner, Rumstreuner
Meine Zulukaffer und meine Zigeuner:
Lasst mich nicht alleine!

[Freundeskreis, „Lasst mich nicht alleine“, 1997]

Von Moses über Richard Wagner bis Helene Fischer. Sind wir nicht alle ein bisschen Flüchtling & Ausländer?

Moses, epischer Flüchtling

Moses ist einer der ersten prominenten Flüchtlinge des „Abendlandes“, für das PEGIDA aktuell in Dresden demonstriert. Obwohl er eigentlich aus dem „Morgenland“ stammt. Sein Gott bürdete ihm zu viel Verantwortung auf, er legte sich mit dem Pharao an und musste mit seinem ganzen Volk fliehen. Dabei teilte er das Meer, erhielt die 10 Gebote und entdeckte das gelobte Land, das er aber nie betreten durfte. Biblischer Einwandererstopp.

 

Publius Ovidius Naso, kurz Ovid (43 v. Chr.-17 n. Chr.), allzu freizügiger römischer Dichter

Ovid erzürnte mit seiner Schreibe den sittenstrengen Kaiser und wurde kurzerhand nach Rumänien verbannt. Im Exil starb er auch.

 

Dante Alghieri

Dante Alighieri (1265-1321), italienischer Dichter, ganz nebenbei Erfinder der lingua italiana, grazie!

Dante legte sich als Florentiner Parlamentarier mit dem gierigen Kirchenstaat an, musste fliehen und wurde zum Tod durch Verbrennen verurteilt. Er floh ins Exil und verfasste dort unter anderem die „Göttliche Komödie“, in der der Umgang der Kirchenherren mit seiner Person sicherlich Einzug gehalten hat.

 

Martin Luther

Martin Luther (1483-1546) aka Junker Jörg

Auch der „Ossi“ Luther hatte die katholische Kirche am Hals, weil er meinte, die hätte Reformen nötig und hätte nur darauf gewartet, dass er das proklamiert. Flugs verhängte die Kirche einen Bann über Luther, der musste fliehen und übersetzte als Junker Jörg die Bibel ins Deutsche. Das ist zwar eine ähnliche Großtat wie Dantes Italienisch-Erfindung, nur leider waren Luthers altphilologischen Kenntnisse miserabel (es heißt nicht „Rippe“, Du Ochs!), und ein Antisemit war er noch dazu.

 

Napoleon Bonaparte

Napoleon Bonaparte (1769-1821), vom französischen Diktator zum Kaiser zum Exilanten

Die Karriere des großen Kleinen aus Korsika ist Legende: Aus der Pampa kommend Aufstieg in der Armee während der Französischen Revolution, dann Erster Konsul der Republik, zuletzt Kaiser der Franzosen, zwischendurch geschwinde halb Europa mit Krieg überzogen. Und dann den Rest seines Lebens in der Verbannung am Arsch der Welt auf der Insel St. Helena gefristet. Quelle carrière!

 

Heinrich Heine

Heinrich Heine (1797-1856), deutscher Dichter, Journalist und Frühsozialist

Weil er sich in deutschen Landen unverstanden, von der preußischen Zensur angefeindet und ob seiner jüdischen Abstammung geschasst fühlen musste, emigrierte Heine nach Paris. Aber auch die nach wie vor revolutionäre Stimmung dort zog den Freidenker an, so dass er letztlich aus freien Stücken zum Ausländer in Frankreich wurde. Im Pariser „Exil“ starb er auch. Und noch bis in die Zeit der 68er war Heine der wenig geliebte deutsche Dichtersohn.

 

Victor Hugo

Victor Hugo (1802-1885), der Goethe der Franzosen und ein Romantiker durch und durch

Als sich Hugo vernehmlich gegen den Staatsstreich von Napoléon III auflehnte, wurde er festgenommen und aus Frankreich verbannt. Einfach so. Von den Jersey-Inseln aus agitierte Hugo weiter gegen „Napoléon le Petit“. Erst nach dem Sturz des selbsternannten Kaiserleins konnte Hugo aus dem Exil zurückkehren.

 

Gottfried Semper

Gottfried Semper (1803-1879), deutscher Architekt und Kunsthistoriker, hinterließ den Dresdnern die Semperoper

Und die gedenken seiner jetzt mit PEGIDA, steckst ’n Finger in Arsch und … Doch lange vor den fremdenfeindlichen Märschen in Dresden war Semper zuallererst einmal ein Revoluzzer, der während der Deutschen Revolution 1849 Barrikaden baute und für bürgerliche Rechte kämpfte. Nach dem Scheitern der Revolution war Semper lange auf der Flucht und konnte sich glücklich schätzen, dass es an den Fluchtorten keine Märsche patriotischer Ewiggestriger gegen die Revolutionierung des deutschen Abendlandes gab.

 

Richard Wagner

Richard Wagner (1813-1883), urteutonischer Notensetzer, des Führers Lieblingskomponist, ein antisemitischer Arsch … und dennoch auch ein Flüchtling

Denn wie sein Kumpel Semper kämpfte auch Wagner während der Deutschen Revolution für mehr Rechte der Bürger. Schwer vorstellbar, wenn man den „Ring“ gehört hat, aber doch wahr. Als steckbrieflich gesuchter Aufständler floh Wagner mit gefälschtem Pass in die Schweiz. Heutzutage ließe man ihn da aufgrund Volksentscheid nicht mehr hinein.

 

Else Lasker-Schüler

Else Lasker-Schüler (1869-1945), bedeutende deutsch-jüdische Schriftstellerin und herausragende Vertreterin des Expressionismus

Ihr hervorragendes Talent konnte ihr nicht helfen, denn als Jüdin war für sie kein Platz in Nazi-Deutschland. Bereits 1933, nach tätlichen Angriffen, emigrierte sie nach Zürich. 1938, nach 5 Jahren Leben und Wirken in der Schweiz, wurde ihr die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt, sie wurde „schriftenlos“ und sie zog weiter nach Palästina, ihrem Hebräerland, wo sie auch starb, weil ihr eine Rückkehr in die Schweiz verweigert wurde. (Ähnlichkeiten zur heutigen Haltung der Eidgenossen gegenüber „Fremden“ sind rein zufällig.)

 

Thomas Mann

Thomas Mann (1875-1955), bedeutender deutscher Schriftsteller mit einem Hang zu ganz schlimm langen Sätzen

Dieser Hang zum „nicht auf den Punkt kommen“ (neben Joyce Ulyssses die schlimmste Leseerfahrung meines Lebens: Manns „Tod in Venedig“, literarisches Valium) war nicht daran Schuld, dass er Deutschland den Rücken kehrte und schweren Herzens ins Schweizer Exil ging, sondern das unerträgliche Regime der Braunhemden. Was Mann bereits in den frühen 30er Jahren über den Nationalsozialismus sagte, würde ebenso zu PEGIDA, HoGeSa und anderen Rechtsauslegern passen: das sei „eine Riesenwelle exzentrischer Barbarei und primitiv-massendemokratischer Jahrmarktsrohheit [mit] Massenkrampf, Budengeläut, Halleluja und derwischmäßigem Wiederholen monotoner Schlagworte, bis alles Schaum vor dem Munde hat“, das sitzt.

 

Albert Einstein

Einstein ist sicher einer der klügsten Köpfe, die Deutschland jemals hervorgebracht hat. Um die angebliche Höhe seines IQs ranken sich Legenden. Auch sein Pazifismus war legendär. Und als pazifistischer Jude blieb im nach Hitlers Machtübernahme nur, Deutschland ganz den Rücken zu kehren und in die USA zu übersiedeln. Doch auch nach dem Krieg kehrte er nicht zurück. Er konnte Deutschland den Holocaust nie vergeben und verstarb im Exil in Princeton.

 

Kurt Tucholsky

Kurt Tucholsky (1890-1935), deutscher Schriftsteller, Satiriker und Gesellschaftskritiker

Schon früh, Bereits zu Beginn der 1930er Jahre, war dem weitsichtigen Kritiker und scharfzüngigen Satiriker klar, welche heraufziehende Gefahr von Hitler und seinen Gefährten zu erwarten war. Er schnappte seine Schreibmaschine und verzog sich nach Schweden, um von dort aus weiter kritisch zu publizieren. Aus vielerlei Gründen aber, unter anderem aufgrund einer angeschlagenen Gesundheit, verstummte Tucholsky im Exil zusehends. 1933 schreibt er in einem Brief an einen Bekannten: Daß unsere Welt in Deutschland zu existieren aufgehört hat, brauche ich Ihnen wohl nicht zu sagen. Und daher: Werde ich erst amal das Maul halten. Gegen einen Ozean pfeift man nicht an.“ Bereits zwei Jahre später, noch bevor sich der ganze Terror der Nazis über Europa ergoß, war Tucholsky tot, gestorben an einer Überdosis Tabletten.

 

Bertold Brecht

Bertolt Brecht (1898-1956), deutscher Dramatiker und Lyriker, Begründer des »epischen Theaters«, epic!

Bereits ab 1930 wurden Aufführungen des kommunistischen Schrifstellers Brecht von Nationalsozialisten vehement gestört. 1933 wurde eine Aufführung von „Die Maßnahme“ von der faschistischen Polizei unterbrochen. Brecht schnappte Gepäck, seine Familie und Freunde, und verließ einen Tag nach dem Reichstagsbrand fluchtartig Berlin in Richtung Ausland. Über Prag, Wien, Zürich, Paris und Svendborg ging der Weg der Flüchtlinge. Nachdem noch 1933 Brechts Bücher brannten und ihm 1935 die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt wurde, war klar, dass eine Rückkehr nicht so schnell möglich wäre. Eine Zeitlang lebte er in der Nähe von Stockholm und später Helsinki, bis ihm 1941 ein Einreisevisum in die USA ausgestellt wurde. Aber auch im „land of the free“ musste er sich vor radikalen politischen Kräften rechtfertigen: 1942 wurde er als „Enemy Alien“ (!) vom FBI überwacht und 1947 vor den „Ausschuss für unamerikanische Umtriebe“ zitiert. Damit verließ er die Vereinigten Staaten wieder, lebte erst ein Jahr in der Schweiz, weil ihm die Einreise nach Westdeutschland als amerikanisch besetzte Zone verwehrt wurde. Erst 1949 kehrte er nach Deutschland zurück, er lebte und wirkte bis zu seinem Tode in der jungen DDR.

 

Dieter Hildebrandt

Dieter Hildebrandt (1927-2013), deutscher Kabarettist und politischer Mahner, der heute fehlt

Hildebrandt selbst, gebürtiger Schlesier, war kein Flüchtling. Während seine Familie aus Niederschlesien vertrieben wurde, befand er sich in amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Somit war er vom Ende des Weltkriegs an bis zu seinem Lebensende ein Vertriebener, ein Heimatloser. Vielleicht einer der Gründe, weshalb sich Hildebrandt als Kabarettist immer vehemt und mutig gegen Fremdenfeindlichkeit stellte. Einer wie er fehlt in unseren Tagen.

 

Rudi Carrell

Rudi Carrell (1934-2006), holländischer Showmaster und Entertainer, ‚Mann, der konnte reimen‘

Natürlich wurde Rudi Carrell nie vertrieben. Er musste nicht ins Exil oder irgendwie sonst flüchten. Aber er war viele Jahre einer der Lieblingsausländer der Deutschen. Mit seinen Fernseh-Shows wie „Am laufenden Band“ schrieb er deutsche Fernsehgeschichte. Und während der gemeine Deutsche sonst gerne über die „Käsefresser“ mit ihren Wohnburgen auf deutschen Autobahnen motzt, konnte sich Carrell von den Deutschen immer geschätzt fühlen und dankte es ihnen mit einer Hymne an den größten deutschen Dichter, „Goethe war gut“.

 

Dalai Lama

Tendzin Gyatsho (* 1935), Dalai Lama und damit eigentlich weltlicher Herrscher Tibets

Im Alter von 2 Jahren wurde der junge Tendzin per mönchischer Vision als Wiedergeburt des 1933 verstorbenen Dalai Lama Nr. XIII „gefunden“. Eigentlich hätte sein Leben nun gut weitergehen können, aber die Chinesen hatten mit Tibet andere Pläne und sandten in den 50er Jahren ihre „Volksbefreiungsarmee“, nicht um die Tibetaner zu befreien, sondern zu Gefangenen im eigenen Land zu machen. 1959, nach dem „Tibetaufstand“ gegen die Besatzung durch die VR China, musste Tendzin Gyatsho flüchten und lebt seitdem im Exil in Indien. Von dort aus widmet der Dalai Lahma sich voll und ganz dem Dialog und dem Einsatz für Menschenrechte, was ihm 1989 den Friedensnobelpreis einbrachte.

 

Meine Mutter

Meine Mutter (* 1944), Sudetendeutsche und Vertriebene

Meine Mutter war noch ganz klein, als ihre Familie aus der Heimat Mähren vertrieben wurde, mein Onkel war gerade geboren, mein Großvater befand sich in Kriegsgefangenschaft. Der Krieg war verloren, die „Besiegten“ wurden unter Androhung und Anwendung von Gewalt durch die Tschechen zum Verlassen der Heimat gezwungen. Im Fall meiner Familie war die Gegend um Uničov, dem damaligen Mährisch-Neustadt, nachweislich seit mindestens zweihundert Jahren Heimat. Und nun musste auch meine Großmutter mit ihrer kleinen Tochter und dem kleinen Sohn alles zurücklassen, was nicht getragen werden konnte, so auch den kleinen Hof der Familie, und in eine ungewisse Zukunft fliehen. Gestrandet ist sie hier am Rande von Bayerisch-Schwaben, eine Geflüchtete, die zeitlebens Sehnsucht nach ihrer verlorenen Heimat hatte. Denke ich an die geographischen Wurzeln, bin ich ja vielleicht zu einem Teil Tscheche und auch irgendwie ein Ausländer? Irgendwo ist man immer ein Fremder und bleibt es auch.

 

Jörg Berger

Jörg Berger (1944-2010), deutscher Fußballtrainer, aber auch Republikflüchtling

Im Fußball stellte er sich den Herausforderungen, da floh er nie vor der Größe der Aufgabe. Aber außerhalb des Fußballplatzes war Flucht etwas, das sein Leben mitbestimmt hat. Ende des Zweiten Weltkriegs musste Berger mit seiner Familie aus Pommern nach Leipzig fliehen. Auch er ein Vertriebener. In der DDR machte er als Fußballer und, nach einer Verletzung, später als Trainer Karriere. Er wurde schon als Nachfolger des Nationaltrainers Buschner gehandelt. Sonderlich toll scheint dem geradlinigen Leipziger die DDR aber nicht gefallen zu haben. 1979 nutzte er ein Spiel der Nachwuchs-Auswahl der DDR in Jugoslawien, um in den Westen zu fliehen. Dort war er aber bis zum Zusammenbruch nicht wirklich sicher. Oft war er Bedrohungen durch die Stasi ausgesetzt. Mitte der 1980er Jahre, Berger war Trainer bei Hessen Kassel, überlebte er einen Giftanschlag, der wohl auch auf das Konto der Staatssicherheit ging.

 

Nazan Eckes

Nazan Eckes (* 1976), deutsche Moderatorin bei RTL mit türkischen Wurzeln

Seit Gülzan, heute Kamps, so unangenehm geworden ist, gilt Nazan Eckes, die eigentlich Nazan Üngör heißt und deren Familie aus dem türkischen Eskişehir nach Deutschland emigrierte, als der Deutschen liebste Türkin. Weil sie so hübsch ist und so nett. Aber vielleicht auch, weil vielen Dumpfdeutschen und RTL-Sehern nicht wirklich bewusst ist, dass auch Eckes zu der Gruppe von Menschen gehört, gegen die ansonsten dumpf gewettert wird: „Scheiß Ausländer!“ Wäre sie nicht prominent, spielte es auch für Fremdenfeinde keine Rolle, dass sie in Köln geboren ist und in Leverkusen Abitur absolvierte. „Ausländer bleibt Ausländer“, wenn es in die rechte Gesinnung passt. Ein Mädchen oder ein Junge, die_der hierzulande geboren ist – egal welcher Abstammung die Eltern sind -, ist per se eine_r von uns. Ein syrischer Deutscher, eine türkische Deutsche, ein nigerianischer Deutscher, eine vietnamesische Deutsche … da sind die Amerikaner einmal ausnahmsweise weiter wie Europa.

 

Arthur Abraham

Arthur Abraham (* 1980), deutscher Boxer mit armenischen Wurzeln

Abraham gehört zur Gruppe der sogenannten „Spätaussiedler“. Zu meiner Überraschung hört man Rechtsaußen nie gegen diese Gruppe von nicht „auf deutschem Boden“ geborene Menschen agitieren. Sie gelten als deutsch. Und, wie bereits Loriot wusste, „Deutsch gudd!“ Egal, wie man es dreht und wie man es wendet, Abraham ist vor allem ein herausragender Boxer – egal, zu welcher Nationengruppe er jetzt als zugehörig angesehen wird: Spätaussiedler, Deutscher, Armenier, armenischer Deutscher, deutscher spätaussiedelnder Armenier … Überhaupt hat der gemeine Deutsche selten Probleme mit nicht in Deutschland Geborenen und nicht in perfektem Hochdeutsch kommunizierenden Menschen oder auch „Deutschen mit Migrationshintergrund“ (gell, die Damen und Herren der CSU?), solange sie nur unter Schwarz-Rot-Gold umjubelte Erfolge feiern. Der selektive Blick auf den Fremden, da ist er wieder.

 

Sido

Sido (*1980), deutscher Rapper und inzwischen ganz freundlicher Aggro-Berliner

Wir hatten schon religiöse Fanatiker, schweinische Dichter, Kirchenrevoluzzer, Republikaner, Juden, Linke, Türken, Holländer und andere Minderheiten in der Liste prominenter Ausländer & Flüchtlinge. Es fehlt noch die Gruppe der Sinti & Roma. Und was gerne leichthin als „Zigeuner“ beschimpft wird, steht tatsächlich immer und überall am Rand. In Deutschland ebenso wie in Rumänien, in der Presse wie in der Kunst. Sogar in dieser Liste hier kommen sie nur am Rande vor. Und das auch nur zu 50% in Form von Sido, der Paul Hartmut, haha, Würdig heißt und Sohn einer Sintiza (Sg. m. sinto, Pl. sinti; Sg. f. sintiza, Pl. sintize) und eines Deutschen ist. Bis zum achten Lebensjahr lebte Sido mit der alleinerziehenden Mama und kleiner Schwester am Prenzlauer Berg, damals noch DDR-Ost-Berlin. Nachdem 1988 der Ausreiseantrag der Mutter genehmigt worden war, zog die kleine Familie nach West-Berlin und lebte anfangs in einer Weddinger Notunterkunft unter Asylanten. Wenn also einer der heutigen Prominenten weiß, was es heißt, außen vor zu sein, dann der Aggro-Berliner mit eigenem Block.

 

Edward Sowden

Edward Snowden (* 1983), US-amerikanischer ‚Würschtlblower‘, der viel riskiert, damit wir die Wahrheit erkennen

Snowden ist tatsächlich auf der Flucht. Also ein aktuell Flüchtiger und keiner, der im Rückblick auf die eigene Geschichte oder die Geschichte der Familie relativ gelassen sagen kann, „ja, damals, das waren harte Zeiten“. Snowden erlebt die harten Zeiten ganz aktuell im russischen Exil. Als Ex-Geheimdienstmitarbeiter und vor allem aufrechter Demokrat konnte er all die geheimen Informationen darüber, wie die Geheimdienste uns alle ausspionieren, nicht länger für sich behalten, ging mit seinen Kenntnissen an die Öffentlichkeit und wird nun von den US-Behörden wie ein Verbrecher verfolgt. Das alleine wäre schon unerhört genug. Dass aber ein Land wie das unsere mit seiner Geschichte – gerade von Vertreibung und Flucht – sich nicht getraut, Edward Snowden Asyl und ein sicheres Leben zu gewähren, ist beschämend!

 

Helene Fischer

Helene Fischer (* 1984), hach, uns Helene, was soll ich sagen? Sie ist soooo toll!

Sie ist so attraktiv, kann so gut tanzen und so toll singen! Sie ist großartig, uns Helene! Aber eigentlich heißt sie Jelena Petrowna und wurde kurz vor der mongolischen Grenze in Krasnojarsk geboren, krass! Naja, und eigentlich mag ich sie überhaupt nicht, finde den Hype um ihre Person samt Glorifizierung eher unangenehm und halte es da lieber mit der taz, die sie als „scharf wie Marmelade“ bezeichnet und ihr „Perfektion vor allem in den Disziplinen Dösbackigkeit und Gefühlsduselei“ attestiert. Aber hier geht es ja nicht um kulturelle Geschmäcker, die sind bekanntlich verschieden. In dieser Liste geht es um „scheiß Ausländer“, um „Drecksflüchtlinge“ und Konsorten. Ein Glück, dass Helene so hübsch ist, gut singen und tanzen kann. Aber vor allem ein Glück, dass ihre Großeltern Wolgadeutsche waren und Helene somit „deutsch“ ist. In dieser subjektiven Auswahl geht es vor allem um die Beliebigkeit von Rassismus, die selektive Einteilung in gut und böse durch rechte Brandstifter.

 

Sami Khedira

Sami Khedira (* 1987), ist mit Lena Gercke liiert, boah! Ach ja, Fußball spielen tut er auch. Natürlich mit Adler auf der Brust!

Natürlich? Eher nicht, denn der sympathische Stuttgarter und Top-Fußballer hat einen tunesischen Vater, ist also Halb-Ausländer, oder wie auch immer das die rechte Brut ansehen würde. Und er ist ein herrliches Beispiel dafür, wie selektiv Fremdenhass doch ist. Jeder andere Halbtunesier gälte den Schreihälsen als Ganzkanake. Aber wenn der Kanake dann für Deutschland auf dem Platz steht und die Mannschaft weiterbringt, dann johlen sie, die Fans auf den Rängen, die sich zu einem gerüttelt Maß aus Hooligans, Rechtsradikalen und daneben vielen Konservativen rekrutieren. Dann freuen sie sich über den Sami, den Jérôme, den Mesut und den Shkodran. Aber wehe, die singen nicht eifrig bei der Nationalhymne mit, dann sind es eben doch nur „Dreckskanaken“!

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