Andreas Heck

Andreas Heck

Selbständiger Webdesigner

IEGIDA marschiert im Stechschritt, Marsch!

Allerlei IEGIDA – Idiotische Ewiggestrige gegen die Islamisierung des Abendlandes marschieren in unseren Städten und nehmen bemitleidenswerten Hooligans und Rechtsaußenauslegern den Job weg. Was als rechtsextremes Bündnis begann, wird immer mehr zum Sammelbecken einer rechten Bürgerlichkeit, die sich wieder traut, ihr hässliches Gesicht in die Öffentlichkeit zu halten. Je nach Stadt, die mit immer dem gleichen rechten Schmutz durchzogen wird, nennen sich diese „Aktionsbündnisse“ KAGIDA (Kassel gegen …), DÜGIDA (Düsseldorf gegen …), LEGIDA (Leipzig gegen …), angefangen hat alles mit der PEGIDA, den „patriotischen Europäern“, die so patriotisch sind wie meine rechte Arschbacke. Denn im Gegensatz zu den meisten Aufrechten befüttere ich mein imposantes Gesäß mit regionalen, ergo ur-deutschen – „Grüß Gott!“ -, Produkten und impfe meinen Körper nicht mit Fraß der im Ausland produzierenden Discounter und Großkonzerne.
Was den wenigsten „aufrechten“ PEGIDArianer_innen bis dato bewusst sein dürfte ist, dass PEGIDA-Gründer Lutz Bachmann, dem sie artig hinterher trotten und sich von ihm per Megafon geduldig anbrüllen lassen, mehrfach vorbestraft ist.  Was umso amüsanter erscheint, wenn man bedenkt, dass eben jener Bachmann die rigorose Abschiebung „krimineller Ausländer“ fordert. Nicht minder lässt mich schmunzeln, dass der Vortänzer der „Aufrechten“ 2008 gar wegen Drogenbesitzes einmal nach Südafrika geflohen war, um sich der deutschen Justiz zu entziehen. Er ist also nicht nur ein ehemaliger Gesetzesbrecher, sondern versuchte sich sogar als Flüchtling im afrikanischen Ausland! (Quelle) „Wah, da leben doch lauter Neger?!“ Geschichten, die das Leben schreibt.

Ebenso amüsant wird es, wenn man ein wenig Zahlenakrobatik betreibt: In Dresden marschierten stattliche 10.000 Wutbürger, die Angst vor einer „Islamisierung des Abendlandes“ haben (Quelle). In Dresden (knapp 531.000 Einwohner, Quelle) leben 4,7% Ausländer_innen (Quelle). Von diesen circa 25.000 Menschen sind etwa die Hälfte Muslime (Quelle). Damit hätten wir etwa 12.500 Dresdner Einwohner_innen mit muslimischen Glauben. Da PEGIDA & Co. gegen die Islamisierung demonstrieren und nicht gegen den Islam als solchen – „oder?“ -, beziehen sich ihre Warnungen also auf sich die unter den Muslimen verbergenden radikalen Islamisten, Salafisten, Fanatiker und andere Wirre, die den Willen zur Islamisierung und den Koran nicht verstanden haben. Laut Verfassungsschutz sind 1% der in Deutschland lebenden Muslime in radikalisierten Organisationen angeschlossen und damit eine potentielle Gefahr. (Eine Gefahr wie der ehemalige Einbrecher, Dieb und Körperverletzer Herr Bachmann?) Das wären auf Dresden bezogen summa summarum etwa 125 Islamisten (Quelle). Die_der gewitzte IEGIDA-Mitläufer_in mag jetzt einwenden, dass die nicht organisierten Islamisten ja doch auch ganz schrecklich gefährlich für unseren „deutschen Boden“ sein können, gell? Auch dazu gibt es eine Zahl des Verfassungsschutz. Der geht nämlich davon aus, dass es in ganz Deutschland etwa 42.500 Islamisten gibt, von denen 1.000 gewaltbereit seien. (Eintausend Gefährliche unter 81 Millionen? 0,0012 % gefährliche Islamisten unter uns? Echt jetzt?) Die bundesdeutschen Zahlen auf Dresden herunter rechnend erhielten wir damit die „erschreckende Zahl“ von 2.974 Islamisten, darunter 69 Gewaltbereite. Pah! Da müssen natürlich schon mal 10.000 Dresdner Bürger marschieren und gegen die drohende Islamierung protestieren!
(In Düsseldorf bei der DÜGIDA marschierten übrigens nur 400 besorgte „Bürger“. Ist Ausländerhass dieser Form also doch ein Ostphänomen?)

Ich war beim Amüsanten der „Bewegung“ (mir kommt dieses Wort bezüglich PEGIDA kaum über die Lippen), da gibt es ja noch mehr. Etwa, dass bei den Märschen nicht viel skandiert wird außer dem dreist geklauten „Wir sind das Volk“ der Befreiungsbewegung am Ende der DDR-Zeit. Was heißt denn hier „Volk“? Wer ist das Volk? Ein paar Bürger_innen, die aufgrund von stark vereinfachten Bildern („BILD dir deine Meinung“) vom „bösen Muslim“ ihrer furchtsamen Wut fortan auf der Straße Ausdruck verleihen?
Bestünde das obskur postulierte „Volk“, wie von PEGIDA-Anhänger_innen, der AfD, HoGeSa oder weit radikaleren Gruppierungen gewünscht und gefordert, nur aus „Deutschen“, ergäbe sich ein Problem. (Natürlich erst recht ein wirtschaftliches, wie erst jüngst wieder eine Studie zum x-ten Male belegen konnte. Aber wir waren ja beim Thema Dummheit. Die Dummen interessiert die Wahrheit nie.) Nämlich, dass „wir“, wer auch immer wir sein mögen (kommen wir nicht alle von irgendwo her? woher kommen deine Ahnen?), schon längst ausgestorben wären. Und bei schändlichem Verhalten wie dem der PEGIDA-Marschierer_innen oder vielem anderen, was „Deutsche“ an Schlechtem in diese Welt tragen (Waffen, Gifte, geiler Geiz, die CSU), wäre das vielleicht ja gar nicht das Schlechteste?
Aber Ausländerfeindlichkeit lässt sich ja gerne selektiv einsetzen, da ist die_der gemeine Rassist_in ganz flexibel. Denn was wäre „unsere“ Fußball-Nationalmannschaft ohne „unsere Jungs“ mit polnischem, türkischem, flämischem, albanischem, ghanaischem, marokkanischem, nigerianischem, spanischem, tunesischem, türkischem und bayerischem Migrationshintergrund? (Herrje, sind unter den Fußball-Nationalspielern vielleicht gar Muslime?!)

Nebbich! Ohne eine „Vielfalt des Abendlandes“ wäre es hierzulande ganz schön Essig.

Lasst uns also die FREBÜFEVIDA gründen! Ok, das kann keine_r aussprechen, aber es bezeichnet, was wir sein sollten:

Freundliche rger_innen für eine Vielfalt iDeutschland aller!

Herrje, ihr Wutbürger_innen, demonstriert doch einmal aus einem sinnvollen Grund und gegen wirkliche Bedrohungen!
Etwa gegen Lebensmittelkonzerne, die unseren Lebensraum zerstören und mit deren Drecksprodukten, für die Kinder arbeiten mussten, ihr eure eigenen Kinder füttert.
Oder gegen Energieriesen, die erst Jahrzehnte Gewinne mit gefährlicher Technologie machen durften und jetzt uns für die Beseitigung der Schäden zahlen lassen, indem sie den deutschen Staat verklagen.
Oder gegen Banken, die horrende Gewinne aus riskanten Geschäften ziehen und behalten, während sie Verluste dann wiederum vom Steuerzahler begleichen lassen. Das wären sinnvolle Demonstrationen, da marschierte ich mit!

Nicht Ahmed, Mustafa, Oussama oder Gülay gefärden euer bravbürgerliches Leben. Die Gefahr bringen hören auf die Namen Josef, PeterMuhtar oder Hugh.

Ach halt, so weit reicht euer Denkvermögen ja nicht, ihr selbsternannten Patrioten. Herr/Allah/Adonai/Shiva/…, lass Hirn regnen!

Weg mit PEGIDA, ich bin für Pepita für alle!

[Foto: dpa, mhi cul, Quelle: RP Online]

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