Andreas Heck

Andreas Heck

Selbständiger Webdesigner

Die Freiheit im Internet

In Regionen, in denen keine individuelle Freiheit herrscht, ist das Internet das wichtigste Medium, um frei zu informieren und zu kommunizieren: Schwule Afrikaner erhalten Unterstützung über soziale Netze, Syrer veröffentlichen Orte von Suppenküchen, die Protestbewegung in der Türkei und der Ukraine versorgt die Menschen via Twitter mit unzensierten Informationen.

Bei uns, wo Freiheit im Grunde überall herrscht, wird das Internet genutzt, um Geschäfte zu machen oder um Banalität auszutauschen: B2B und Web 2.0, süße Engel-Kettenbriefe via WhatsApp, kollektives „Liken“ von Fotos aus Privatleben auf Facebook.

Wenn also davon geschwärmt wird, welch demokratisches Medium das Internet doch sei, kann damit nicht der Gebrauch in der freien westlichen Welt gemeint sein. Die betäubt den Schmerz der zivilisierten Wunden mit Banalem. Und bezahlt dafür die scheinbare Sicherheit, die von Diensten und Behörden versprochen wird, mit den Daten ihrer scheinbar freien Menschen.

[Foto: CC Attribution-Share Alike 4.0 Int., Quelle: Wikipedia]

4 Kommentare

  1. Boodo

    Deine Verbindung von demokratisch und politisch ist mir zu eng. Schreiben zu können was man will – sei es auch banal – ist demokratisch. Und nicht lesen zu müssen ebenso.

    Hingegen kann politisches im Internet auch undemokratisch sein.

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  2. Andreas Heck

    Du hast wie meist Recht. Aber auch nur deshalb, weil Du es nüchtern und sachlich betrachtest. Das ist meines nicht. Ich betrachte Dinge gerne durch eine bunte Scheibe und gebe sie dann überspitzt, überzogen und deformiert wieder. Warum? Um vielleicht, im besten Falle, zum gerne auch kontroversen Dialog anzuregen.
    Und in diesem Sinne lass‘ mich Dir entgegnen, dass in der Demokratie das Volk herrscht. Wenn dieses aber gar kein Interesse am (Be-)Herrschen hat, sondern lieber die eigene Verantwortlichkeit und Mitbestimmung delegiert, dann macht es sich unfrei und wird unmündig. Deshalb bedeutet für mich „demokratisch“ nicht einfach nur „ist frei“, sondern es hat mit der tatsächlich durchaus politischen Absicht zu tun, die Freiheit und die eigenen Möglichkeiten zu nutzen, um etwas zu ändern, herbeizuführen, zu bewegen oder einfach auch nur kund zu tun, „mit mir nicht!“
    Und weil eben letzteres von den Menschen in meinem Umfeld, die mir so im Internet begegnen, selten vollzogen wird, halte ich die Einordnung des Internet als per se demokratisches Instrument für falsch. Das Internet ist dann ein demokratisches Instrument, wenn Elemente eines Volks den Willen haben, die Möglichkeiten für soziale, kulturelle und politische Einmischungen zu nutzen.
    Aber klar, dabei kann auch völlig Undemokratisches heraus kommen. Wenn wir das Volk sind und alle Herrschaft in der Demokratie von uns ausgeht, wir aber alles einigen wenigen überlassen, die politisch von Geheimbehörden beraten werden, ist die Frage, wie demokratisch es bei uns überhaupt noch zugeht.
    Pfeifendeckel!

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  3. Boodo

    Ich dänke, ich däääänke, ich deeeeeeeeeenke, dass die Gesellschaft durch das Internet auch im politischen Sinn demokratischer geworden ist. Heute hat jeder die Möglichkeit Millionen Menschen per Knopfdruck zu erreichen. Früher hat man in der Familie oder am Stammtisch über die Politik gekrummelt und im nächsten Raum hat es schon keiner mehr gehört und am nächsten Tag sich keiner mehr erinnert.

    Das Problem liegt für mich an anderer Stelle: Das Internet ist passiv. Wirksamer Protest muss aber aktiv sein. In der Türkei et altera findet der Protest auf der Straße statt. Das Internet hingegen dient nur zur Information und zur Organisation.

    Und das ist bei uns verloren gegangen. Wann gab es denn zuletzt in Deutschland eine politische Demo? Demonstrieren tun allenfalls noch die Gewerkschaften oder mal direkt Betroffene gegen Einzelfälle (z.B. Bahnhof Stuttgart). Aber sonst? „Ich hab mich doch bei Avaaz eingetragen!“

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  4. Andreas Heck

    Die Möglichkeit zu haben, wäre für mich noch nicht an sich Demokratie. Zur Demokratie gehört die Bereitschaft des Volkes, seinem politischen Willen Ausdruck zu verleihen. Aber vielleicht muss das so sein, dass man das, was man hat, mit Füßen tritt, siehe etwa die Wahlbeteiligung.
    Und ja, das Internet ist passiv. Oder macht es passiv? Die Möglichkeiten sind so viel, auch und gerade für politisch Interessierte. Wie Du schreibst bezüglich Avaaz … bis man jeden Tag alles durch hat, was es zu lesen gibt, digital zu unterschreiben, zu kommentieren, liken, teilen … Da bleibt am Ende des Tages keine Zeit, wirklich aktiv zu werden 🙂
    Vielleicht ist das aber auch einfach nur eine enttäuschte Einschätzung als Ausdruck der Frustration eines in die Jahre gekommenen Möchtegern-Revoluzzers, der Ende der 80er Jahre noch eifrig Fahnen auf Friedens- und Anti-AKW-Demos geschwungen hat, heute und den inzwischen fetten Arsch aber auch kaum noch hochbringt 😉

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