Andreas Heck

Andreas Heck

Selbständiger Webdesigner

Lidl & Co. fördern jetzt aufgrund Dummheit Antisemitismus

Das nenne ich einmal einen Aufmacher! Päng! Der alleine sollte schon für ausreichend Furore sorgen, damit dieser Artikel auch eifrig gelesen wird. Auf Drohbriefe kann ich aber verzichten, also bitte … Doch wie kommt der reißerische, in bester BILD- oder Focus-Manier formulierte Titel zustande?

Durch folgende News: Nun haben auch deutsche Discounter-Ketten wie Lidl, Kaiser’s und Aldi (die haben auch schon wieder dementiert) klammheimlich damit begonnen, israelische Waren, die in den Siedlungsgebieten im Westjordanland produziert werden, aus dem Sortiment zu nehmen.

Nicht etwa aufgrund mangelnder Qualität. Denn Qualität liegt per definitionem nicht im Focus der Discounter bzw. Qualität und Discount ist ein Widerspruch per se. Nein, es geht schlicht und ergreifend um einen Boykott. Lidl & Co. werden nun politisch, weil diese Art von Statement in Europa aktuell très chic ist.

Der Boykott ist jedoch ausgesprochen dumm. Nicht minder dumm verhalten sich alt-linke Palästinenserfreunde deutscher Provenienz, wenn sie lauthals die „Verbrechen“ des israelischen Staates anprangern und die in den besetzten Gebieten lebenden Palästinenser in die Nähe der während der Nazi-Diktatur in Ghettos kasernierten Juden rücken.

Das ist allseits beliebt, das Bild wird gerne kolportiert. Islamistische Hetze von Libyen bis Syrien macht es vor. Inzwischen preschen gar Vorzeige-Deutsche wie Günter Grass oder Jakob Augstein eifrig mit nach vorn an die Front der aufrechten Mahner. Und der Sturm der Entrüstung geht bei manchen besonders Dummen soweit, die Situation der Palästinenser in den besetzten Gebieten als „Holocaust“ zu betiteln; die Aufregung bleibt aber trotz zahlreicher Wiederholung schlicht dumpfer Antisemitismus. Schlimm an diesem: Die Boykott-Aufrufer, darunter auch viele Stars und Berühmtheiten wie Snoop Dogg, Roger Waters oder Carlos Santana, merken nicht einmal, dass ihr Aufruf Antisemitismus transportiert.

Antisemitisch daran ist, dass man Israel und seine Politik mit zweierlei Maß bemisst. Israel ist der einzige Staat im Nahen Osten mit demokratisch gewählter und somit legitimer Regierung. Die fabriziert auch Fehlentscheidungen – wie andere legitime Regierung auf der Welt.
Während man aber nicht US-Waren boykottiert, weil die USA in Afghanistan mit per Joystick abgefeuerten Bomben Zivilisten tötet, tut man das im Falle Israel und verkauft das dann als berechtigt oder gar eine gute Tat. Es werden keine ungarischen Waren boykottiert, obwohl die Regierung Orban die Meinungs- und Pressefreiheit einer Diktatur gleich unterdrückt. Fürst Putin hat man erst die Tage im Rahmen des olympischen Gedankens kollektiv den Arsch geleckt und ich habe noch nicht mitbekommen, dass die MAXI Märkte aufgrund seiner undemokratischer Politik inzwischen keine russischen Waren mehr anbieten. Und weshalb fordert denn keiner den Boykott palästinensischer Waren? Beinahe täglich fliegen die Bomben der Hamas auf israelisches Hoheitsgebiet. Der demokratische Staat wird kritisiert, die Terroristen unterstützenden oder zumindest in den eigenen Reihen tolerierenden Palästinenser werden zu Opfern stilisiert. Dass es ausreichend Gründe gäbe, die Siedlungspolitik der israelischen Regierung kritisch zu prüfen, ist wahr und die eine Seite. Aus Fehlern von Politikern aber abzuleiten, hier sei ein quasi terroristisches Regime am Werken, dem man mit Sanktionen und Boykott das Handwerk legen müsste, ist die andere Seite! Einen großen Zaun zum Schutz des Hoheitsgebietes gibt es in den USA als Abgrenzung nach Mexiko auch. In vielen US-amerikanischen Regionen leben die Menschen nicht besser als in den besetzten Gebieten. Aber keiner ruft deshalb zum Boykott von McDonald’s oder Coca Cola auf? (Schade eigentlich.) Und was geschieht aktuell bei all den Nachbarn von Israel, wohlgemerkt dem  bis dato einzigen demokratisch legitimierten Staat der Region? Dass Waren aus arabischen Ländern boykottiert werden, weil die aktuell den arabischen Frühling wieder zum Winter werden lassen, wäre mir zumindest entgangen. Werden spanische Produkte durch Entfernen aus den Regalen bei Lidl & Co. boykottiert, weil sich der iberische Staat wieder einmal gegen den Terror der baskischen Untergrundorganisation ETA zur Wehr setzen musste, die durch Anschläge die Unabhängigkeit des Baskenlandes erreichen will? Oder wurde seinerzeit gar der Verkauf von britischem Earl Grey in den Supermärkten verhindert aus Solidarität zu den in der IRA kämpfenden Iren?

Warum also misst man in Europa und leider auch in Deutschland gerne bei Kritik an Israel mit zweierlei Maß gegenüber anderen Nationen?
Genau: Weil Israel ein jüdischer Staat ist!

Und eben das ist antisemitisch am Boykott durch deutsche und europäische Discounter. Während die Discounter überhaupt kein Problem damit haben, dass Waren aus zwielichtiger Herstellung mit massenhafter Tierquälerei stammen oder aus undemokratischen Ländern importiert werden, geben sie sich moralin, wenn es um die israelische Siedlungspolitik geht, die die Discounter-Verantwortlichen mit großer Wahrscheinlichkeit noch nie aus der Nähe betrachtet haben.
Wie wäre es stattdessen mit einem Boykott der Lebensmitteldiscounter von Waren des in der Schweiz ansässigen Konzerns Nestlé? Das wäre lobenswert, schließlich gräbt Nestlé in menschenverachtender Weise dort Wasser ab, wo die armen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, füllen das durch Bestechung billig erworbene Grundwasser gefiltert in Plastikflaschen, etikettieren es und verkaufen es dann an die Mittelschicht und die Reichen eben dieser Länder mit 5.000 Prozent Gewinn.

Doch darauf kommt keiner. Damit zeigt sich auch das Heuchlerische des Boykotts, der Arm in Arm mit latentem Antisemitismus daher kommt.

Anstelle von
„Kauft nicht vom Juden!“
lieber
„Kauft nicht von Lidl & Co!“.

4 Kommentare

  1. Boodo

    Ich denke, der Hintergrund ist einfach die Angst vor negativer Presse. Alles was dazu führen könnte, dass das Sortiment eine schlechte Presse bekommt und im Regal bleibt, muss vermieden werden.

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    1. Andreas Heck

      Das kann ich mir nicht vorstellen, ehrlich gesagt. Denn in den Regalen steht massenhaft Ware von Herstellern, die ständig negative Presse haben. Das stört Lidl & Co. aber nicht. Ich wage auch zu bezweifeln, dass die Führung der Discounter so sehr politisch motiviert sind, dass ihre Anteilnahme an der Situation der „geknechteten“ Palästinenser so groß ist, dass sie sich genötigt sehen, israelische Produkte aus den Siedlungsgebieten zu boykottieren.
      Nein, nein. Entweder, das kommt Verantwortlichen der Discounter mit antisemitischen Ressentiments gut zu pass, „den Juden eins reinzudrücken“, oder aber sie reagieren auf den Druck der aktuellen politischen Meinung einiger, man müsse Produkte aus dem Westjordanland extra kennzeichnen, „damit der Konsument die Wahlmöglichkeit hat“. Das ist genauso fadenscheinig.

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  2. Anne B.

    Israel ist KEIN jüdischer „Staat“.
    Die „Regierung“ ist zionistisch, orthodoxe Juden lehnen den Staat Israel ab! Die Kritik geht also nicht gegen Juden sondern gegen zionisten welche sich die Ereignisse des zweiten Weltkrieges zu nutzen machen um so einen Anspruch auf einen eigenen Staat für sich zu erheben! Und selbst wenn es ‚Juden‘ wären, der Völkermord an den Juden ist kein Freifahrtsschein die Palästinenser zu vertreiben, zu erniedrigen,zu schikanieren oder zu töten! Isral ist an Frieden nicht interessiert.

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    1. Andreas Heck

      Mir ist Dein Einwand zu einfach und zu reflexartig. Ich würde für eine differenziertere Betrachtung plädieren. (Das könnte auch den Konfliktparteien in Nahost helfen, klarer zu sehen.)
      Israel ist ein Staat. [http://de.wikipedia.org/wiki/Israel] Es leben dort ca. 8,1 Mio. Menschen, davon 6,1 Mio. Juden. Israel deshalb als „Jüdischen Staat“ zu bezeichnen, mag unscharf sein, nimmt man dann aber die Historie mit in die Betrachtung und die Realität der politischen Macht, wird die verkürzte Betitelung als „jüdischer Staat“ zumindest nicht ganz falsch. Er ist zumindest der einzige Staat weltweit mit jüdischer Majorität.
      Ob die aktuelle Regierung zionistisch ist, kann ich als Außenstehender gar nicht beurteilen, zumindest ist sie – als einzige Regierung in Nahost! – demokratisch gewählt und somit legitimiert. Dass Du den Passus „Regierung“ in Anführungszeichen setzt, lässt vermuten, dass Du zur gern gewählten Fraktion derjenigen zählst, die Israel jegliche Existenzberechtigung absprechen. Ab da wäre eine weitere Diskussion dann müßig.
      Der Völkermord an den Juden ist kein „Freifahrtschein“ für gar nichts, damit hast Du vollkommen Recht. Aber ebenso wenig wie Juden aus Israel ein Recht haben, Palästinenser zu schikanieren oder zu töten, so haben die Palästinenser ein solches Recht. Kein Mensch hat dieses Recht. Dass es an der Siedlungspolitik wahrlich viel zu kritisieren gäbe, ist richtig, aber ein ganz anderer Punkt.
      Denn es geht, wie in meinem Artikel, darum, dass man Israel als Staat – und das ist er völkerrechtlich, auch wenn fundamentalistische Staaten und Organisationen das ablehnen – nicht zugesteht, was man anderen Staaten jederzeit zugestehen würde.
      Was würde passieren, wenn eine flämische Terrortruppe jeden Tag Bomben auf Staatsgebiet der Niederlande abfeuern würde? Dürften sich die Niederlande dann dagegen nicht wehren und ihre eigene Bevölkerung beschützen und verteidigen? Müsste die Niederländische Regierung nicht gar unbedingt einschreiten und gegen die flämischen Terroristen vorgehen, weil das die sie wählende Bevölkerung schlicht erwartet?
      Oder anders: Wenn die Palästinenser – laut Dir im Gegenteil zu Israel – Frieden möchte, weshalb „schmeißt“ sie die Hamas dann nicht raus uns sagt deutlich, öffentlich, mit Nachdruck: „Wir wollen Frieden in der Region und wir lehnen jegliche Angriffe auf Israel ab“, sondern zeigen jederzeit deutlich Solidarität mit den Terroristen?
      Es geht bei diesem Konflikt nicht um David gegen Goliath. Es geht darum, dass sich ein Staat verteidigt, der von außen angegriffen wird, weil die Angreifer ihm jegliches Existenzrecht absprechen. Jeder andere Staat würde das Gleiche tun. Da würde sich aber keiner darüber echauffieren, und genau an dieser Stelle wird es antisemitisch.
      Oder breche dieses Thema einmal von Staatsgröße auf ein Einzelindividuum herunter und stelle Dir vor, ein gewaltbereiter Mensch würde Dir Dein Existenzrecht absprechen und deshalb versuchen, Dich zu töten. Würdest Du ihn gewähren lassen?

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