Andreas Heck

Andreas Heck

Selbständiger Webdesigner

Neulich beim alten Sisyphos

Den ollen Sisyphos kennt man aus der griechischen Mythologie. Verschlagen wie kein anderer wurde er vom Kriegsgott in die Unterwelt entführt und musste dort fortan zur Strafe einen Felsbrocken einen steilen Hang hinauf rollen. Ein jedes Mal entglitt ihm der verkackte Stein kurz vor dem Erreichen des Endes der Steigung und er durfte von vorne anfangen. Seit damals kennt Mensch die Sisyphosarbeit für Aufgaben, die trotz großer Anstrengung nie erledigt sein werden.

Bei uns in Bayern wird der Kerl vielleicht Sissiphos in Anlehnung an unsere liebste Kaiserin geschrieben. Aber vor allem hat er hier bei uns keinen Stein, den er vor sich herträgt, sondern eine Schneeschippe, mit der er dieses dröge, tumbe, nasse Zeug vor sich her schiebt, über das sich nur Infantile, also Kinder, und Wintersportler wirklich freuen.

Ich freue mich nicht, ich kriege einen Hals bei der aktuell täglichen und völlig unsinnigen Betätigung des Schneeschippens. Aber in Deutschland – einem Land, in dem es für alles Gesetze gibt – herrscht, zackzack, Räum- und Streupflicht. Also muss unsereins als Mieter oder schlicht Hausbewohner werktags bis 7 Uhr, Wochenends bis 9 Uhr, raus und die Gehwege freischaufeln.
Und das selbst dann, wenn es stetig schneit, der Gehweg also vorne bereits wieder zugeschneit ist, wenn man hinten erst ankommt!

Aber das alles ließe sich noch irgendwie ertragen. Schließlich kann man dem täglichen Prozedere auch Positives abgewinnen: Man bewegt sich an der frischen Luft, man betätigt sich körperlich und nimmt dabei ab. Mein heutiges Schippen dauerte 78 Minuten, verteilte sich auf 1.23 km, die mit durchschnittlich 3,59 km/h beschritten wurden und am Ende bei einer durchschnittlichen Herzfrequenzrate von 117 Schlägen/Minuten und maximal 150 Schlägen satte 895 kCal verbrannt hat. Juhu!

Nicht zu ertragen ist dieses eine Arschloch, das – ob auf eigene Faust oder von der Kommune beauftragt – mit seinem zum Schneeräumfahrzeug umfunktionierten Traktor durch die Illerberger Straßen fährt und vor sich her Schnee schiebt, um hinten die nun freie Straße mit umweltschädlichem Salz zu bedecken. Und diesem grenzdebilen Schwanzlurch fällt nichts Besseres ein, als so dicht an meiner Garagenzufahrt vorbei zu fahren, um den Zugang dazu erneut mit vor sich her geschobenem Schnee voll zu machen, den ich nur wenige Minuten zuvor mühsam davon entfernt hatte!

Ja Kreuz sackra zefix!

Und das nicht einmal, nein mehrfach! Das nahm Züge des klassischen Duells an, wie man es aus alten Western kennt. High Noon bei mir in der Bergstraße. Während ich mühsam Schnee mit meiner inzwischen komplett verratzten Schneeschippe räume, kommt er angefahren mit seinem 1.000-PS-Teil, als wäre er ein Großer mit ganz großem Penis … kommt heran gefahren, langsam, aber schubweise beschleunigend, als würde der Koloss unter ihm aufbrüllen wie ein wilder Stier … ganz nah kommt er heran an den Gehsteig, auf dem ich schippe … verlangsamt neben mir … sieht mich dann aus trüben Augen blöde an, sein vom Oberlippenbart nach oben hin begrenzter Mund, in dem sicher verfaulte Zahnstummel hausen, verzieht sich keinen Millimeter … und er fährt schnurstracks an mir vorbei und schiebt all den vor sich her geschobenen Schnee, darunter der von mir mühsam zum Haufen gestapelten Schnee, mir wieder in die Einfahrt!

Ja gibt es denn in einem Land wie Deutschland keine Gesetze gegen solche Strolche?!

[Bild Sisyphus: Franz Stuck [Public domain], via Wikimedia Commons]

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