“Zurück rudern” ist nicht eben etwas, das man gerne tut.
Da zieht man aus, mit Pauken und Trompeten, und verkündet die allein selig machende Wahrheit …
Um ab einem bestimmten Zeitpunkt zu sehen, dass man “es” – was auch immer – an die Wand gefahren hat, dass ein Weitergehen versperrt – nicht möglich – scheint. Sackgasse.
Dann kann man sich zusammen gekauert ganz still verhalten und hoffen, dass keiner daran rührt. Es tritt dann das infantile Konzept auf den Plan, sich die Augen zuzuhalten und damit zu glauben, man würde nicht gesehen.
Oder aber man wählt die unangenehmere Variante.
So muss auch ich zurück rudern, da ich – quasi in einem lichten Moment – erkennen musste, dass ich einige Monate einer Karotte vor der Nase hinterher gerannt war.
Ich will gar nicht in Abrede stellen, dass alles, was in den hier oft zitierten Büchern “Peace Food” und “Tiere essen” steht, tatsächlich der Wahrheit entspricht. Ich kann es schlicht nicht sagen bzw. muss es entweder glauben oder eben nicht. Für jede Statistik gibt es mindestens eine andere, die das Gegenteil behauptet.
Und ich will gar nicht in Abrede stellen, dass es für die Tiere, die Umwelt, die Benachteiligten in der Dritten Welt und damit letztlich auch für uns besser ist, sich vom heutigen Dauer-Fleischkonsum und der ungesunden Industrie-Ernährung zu verabschieden und nachhaltiger einzukaufen und sich somit nachhaltiger zu ernähren.
Ich werde weiterhin darauf achten, was ich wo wann einkaufe, wie meine Familie und ich es ohnehin schon seit Ende 2010 praktizieren.
Was ich aber jetzt in Abrede stellen muss ist, dass ich durch vegane Ernährung zu einem besseren Mensch werde.
Man erlangt als Veganer ein besseres Gewissen, durchaus.
Man fühlt sich als Veganer wie ein edler Ritter, ja.
Man erlangt als Veganer Freude durch die Vorstellung, die Welt zu retten, unbedingt!
Und was hilft einem das für das eigene Leben? Nichts!
Eine jede Aktion (Ursache) verursacht eine Konsequenz. Immer. (Und das ist gar unabhängig davon, ob man es tut, oder es einem (an)getan wird.)
Und für jede Konsequenz muss man die Verantwortung übernehmen. Immer.
Tut man das nicht bzw. flieht man dieser Verantwortung, wird man letztlich krank. (Seelisch ohnehin, viele gar körperlich).
Und all dieses inflationäre Weltverbessertum – auch und gerade mein eigenes, damit kenne ich mich aus – dient nur einem Zweck: Mit der eigenen Verantwortung in das Außen auszuweichen.
Einfach gesprochen:
Indem ich Verantwortung für andere/anderes außerhalb meiner Lebensrealität übernehme, fliehe ich meine eigene Verantwortung für mein Leben.
Klingt krass? Durchaus, aber ich glaube, es ist dennoch so. (Und ja, auch das könnte eine neue Karotte sein, ich lasse mich einfach überraschen, wo es mich hinführt.)
Das bedeutet gar, zu Ende gedacht und wenig schmeichlerisch, dass dem einzelnen armem Kälbchen geholfen sein mag. Demjenigen aber, der ritterlich verzichtet, ein Wiener Schnitzel zu vertilgen, nie bzw. nur augenscheinlich. Gutmenschen leben nicht verantwortungsvoller, gesünder, lebensbejahender, liebevoller, versöhnlicher, ausgeglichener … to be continued … als Normalos.
Gutmenschen sind anscheinend gut, aber eben nicht besser.
Was damit gemeint ist? Zum Beispiel:
Ein Gutmensch (und somit bis vor Kurzem auch ich) unterschreibt etwa jede Petition, der er ansichtig werden kann (was heute Dank social networks sehr einfach ist). Etwa gegen Hundetötungen in der Ukraine im Rahmen der Fußball-EM … schaut aber die eigenen Eltern, denen er zumindest sein eigenes Leben zu verdanken hat, nicht mit dem Arsch an.
Ein anderer Gutmensch (wie auch ich bis vor Kurzem) unterstützt Greenpeace bei der Rettung von Walen in pazifischen Gewässern … hat aber seit einem Streit vor 20 Jahren nie wieder ein Wort mit dem eigenen Geschwister gewechselt.
Deshalb bin ich (erst einmal wieder – bis zur nächsten Karotte -) raus und will fortan meine Energien (erst einmal wieder – bis zur nächsten Karotte -) auf mein direktes Umfeld verwenden, auf meine Lieben, auf mein Leben.
Hat mir jemand mal ‘ne Wurststulle?